Mittwoch, 18. Februar 2015

Das verstaubte Cello

Es stand jetzt sieben Jahre im Schulschrank und laut meiner Musiklehrerin, hat es nur darauf gewartet, dass ich komme es aus dem Schrank nehme und darauf spiele.


Schon an meinem Orientierungstag, an dem ich auch die Englisch Tests schreiben musste, wurde ich meiner Musiklehrerin vorgestellt. Es ging eher darum zu entscheiden, ob ich in Year 12 oder 13 Musikunterricht habe. Das ist aber im Prinzip völlig egal, da beide Musikkurse so klein sind, dass die Schule entschieden hat sie von der gleichen Lehrerin zur selber Zeit unterrichten zu lassen.  Die Kurse sind so klein, da Musik ziemlich hart sein soll im Vergleich zu anderen Fächern und ganz vielen wurde es zu schwer und sie sind aus dem Musikkurs rausgegangen. Ach wurde hier mehrmals erwähnt, dass die Schüler die Hälfte vom Stoff in den Examen nicht wüssten weil er einfach nicht regulär auf dem Lernplan steht und deshalb nicht unterrichtet wird. Examen sind Klassenarbeiten, die in ganz Neuseeland gleich sind und von allen geschrieben werden. 

 Ich habe der Lehrerin erzählt, dass ich Cello spiele und sie war sofort Feuer und Flamme. Sie hat mir erzählt wie sehr sie sich freut endlich wieder jemanden zu haben, der auf dem Schulcello spielt und das ich doch prima mit einer anderen zusammenspielen kann die Bratsche oder war es doch Geige spielt,…  (ich kürz das hier jetzt mal etwas ab) Sie hat sofort das Cello aus dem Schrank geholt, es mir in die Hand gegeben und gesagt ich soll es doch unbedingt mal ausprobieren. Und da begann die erste Schwierigkeit. Das Cello war nämlich nicht nur verstaubt sondern auch extrem verstimmt. Ich wurde in einen extra Raum geschickt, in dem auch ein Klavier stand und meine Lehrerin meinte, sie kommt in 15 min wieder zurück und ich soll in der Zeit das Cello stimmen. Es hörte sich einfach grauenvoll an. Viele Töne waren teilweise über eine Oktave falsch und der Bogen benötigte dringend Kolophonium. Ich hatte natürlich kein Stimmgerät dabei, das mir irgendwie helfen konnte. So habe ich also das Cello in die Hand genommen, mich neben das Klavier gesetzt und angefangen zu stimmen. Irgendwie habe ich es, auf mir unerklärliche Weise, geschafft. Und ich war selbst von mir überrascht, denn normalerweise stimme ich eigentlich immer mit einem Stimmgerät und das ist wesentlich einfacher. Als dann meine Lehrerin wieder kam wollte sie, dass ich ihr was vorspiele und damit kam das zweite Problem. Natürlich hatte ich keine Noten dabei und so ein ganzes Stück auswendig zu spielen ist dann fast unmöglich, wenn man seit zwei Wochen kein Cello mehr in der Hand hatte. Ich habe dann einfach drauf los gespielt und siehe da es hat geklappt und da war ich noch mehr überrascht, denn normalerweise kann ich bei Stücken nur den Refrain auswendig und ich habe wirklich noch nie ein ganze Stück, ohne es vorher noch einmal gesehen zu haben, auswendig gespielt. Meine Lehrerin war total begeistert. Sie erzählte mir, ich hätte das alte so lang nicht genutzte Cello wieder zum Leben erweckt und ich könnte die Musik fühlen und wüsste genau was ich mache, kein Zeichen von Unsicherheit. Sie fand den klang beeindruckend und wollte unbedingt das ich in ihrem Unterricht spiele. (Das habe ich mir nicht gerade eben ausgedacht, das hat sie wirklich fast wörtlich so gesagt) Wenn es nach ihr ginge dürfte ich das Cello sofort mit nach Hause nehmen, denn sie wollte dass ich auf keinen Fall irgendwas verlern, wenn ich jetzt nicht übe und dass ich immer darauf spielen kann, wenn ich Lust habe. Ist das nicht süß :D. Leider musste ich noch ziemlich viele Papiere ausfüllen und da diese über Gasteltern, Koordinator, Direktor, Musiklehrer, Office,… laufen hat das jetzt ganze drei Wochen gedauert bis ich heute das Cello bei mir im Zimmer stehen habe. Ehrlich gesagt hab ich schon fast nicht mehr damit gerechnet, dass das irgendwann mal was wird. Und als heute meine Mum zu mir meinte, dass sie das Cello heute mit nach Hause genommen hat und das es jetzt in meinem Zimmer steht war ich überglücklich.  Zum Klang vom Cello will ich jetzt doch noch was sagen, und zwar klingt es bei weitem nicht so schön wie meins zu Hause und trotzdem war auch ich überrascht, wie gut doch so ein altes, früher sehr viel genutztes, jetzt verstaubtes und lang im Schrank gestandene Cello klingen kann.

Kommentare:

  1. Das ist ja mal echt Schicksal :)) und das SChwarz-weiß bild sieht ja mal mega gut aus!!!!!! Wie ein Model ;-)

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  2. Tolle "Geschichte".. Das Cello wusste wahrscheinlich gar nicht, wie ihm geschieht und schwupps. kam die "Prinzessin" und hat es von seinem Dornröschenchlaf erweckt!
    Das Bild ist wunderschön!

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  3. Tolle "Geschichte".. Das Cello wusste wahrscheinlich gar nicht, wie ihm geschieht und schwupps. kam die "Prinzessin" und hat es von seinem Dornröschenchlaf erweckt!
    Das Bild ist wunderschön!

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  4. Hallo Barbara,
    wunderbares Bild. Du bist einfach die "Prinzessin;-))))". Hoffe das Cello passt sich jetzt dir an und ihr beide kommt klar zusammen.
    Das ist ja wirklich wie im Märchen. Grüßle

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  5. Danke für die lieben Kommentare :) Und ich bin momentan einfach unglaublich glücklich, dass das Cello bei mir zu Hause ist. Das war nämlich ein sehr langer Weg. Der Dornröschenschlaf ging ja auch 100 Jahre :D

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