Montag, 27. April 2015

Halbzeit! Ist es wirklich schon so weit?

Als ich noch zu Hause war, fand ich es total interessant von anderen Austauschülern zu hören, wenn sie erzählten, wie es ihnen in ihrem Jahr Overseas ging und was sie alles erlebt haben. Eine Sache, die mir alle erzählt haben war, dass man nicht merkt wie verdammt schnell die Zeit umgeht. Dass die Zeit einfach nur so an einem vorbeirast und bis man es realisiert  schon die Hälfte um ist. Und das schlimmste man kann die Zeit nicht aufhalten. Und sie hatten Recht.



Euch kommt es vielleicht so vor als wäre ich schon Ewigkeiten weg, aber für mich fühlt sich so an, als wäre ich erst vor ein paar Wochen hier angekommen. Es ist so, dass man nicht wirklich merkt, wie schnell die Zeit vorbeigeht. Ich habe von meinen Klassenkameraden zum Abschied einen Kalender mit selbstgestalteten Zetteln bekommen. Jeden Tag darf ich einen Zettel lesen und das, was mir sagt, dass schon wieder 5 vergangen sind, wenn ich an meinem Kalender 5 Zettel auf einmal lesen muss. Und dann wird mir klar, dass schon wieder 5 Tage vergangen sind ohne dass ich das wirklich gemerkt habe. Ich erlebe jeden Tag irgendetwas neues Spannendes. Jede Sekunde passiert irgendwas, was den Tag zu etwas besonderem macht. Und ihr kennt das bestimmt, wenn euch irgendwas wahnsinnig gut gefällt und ihr eine Menge Spaß habt, vergeht die Zeit wie im Flug. Und so ähnlich ist das bei einem Auslandsjahr. Wenn man drüber nachdenkt habe ich schon unglaublich viel erlebt und soo viele Eindrücke bekommen und Erfahrungen gesammelt, dass mein Blog viel zu kurz ist, um das alles zu erzählen. Das sind Eindrücke die ein ganzes Leben lang in Erinnerung bleiben und die dich mehr oder weniger auch verändern. Und jetzt komm ich zum schwierigen Part von diesem Eintrag. Denn es ist ziemlich schwer über sich selbst zu sagen, WIE man sich verändert hat. Ich bin mir sicher ich bin offener geworden. Offener gegenüber anderen Menschen. Bevor ich nach Neuseeland gekommen bin, bin ich so gut wie nie auf andere Leute zugegangen und habe sie gefragt, ob ich die Pause nicht mit ihnen abhängen kann, ich habe immer daran gezweifelt dann dazustehen wie ein Idiot. Aber jetzt ist sehe ich solche Situationen einfach anders. Ich gehe lieber auf Leute zu und fange an mit ihnen zu reden, als mich Ewigkeiten alleine zu langweilen. Auch glaube ich, ich bin noch fröhlicher geworden und noch mehr strahle. Es ist nicht so, dass ich in Deutschland nie gelacht habe, ich fand es immer total lustig im Supermarkt gestresste Leute mit Anzug und Krawatte einfach an zulächeln und die verwirrte Reaktion abzuwarten. Die Leute sind so im Stress, dass ein kleines Lächeln sie völlig aus der Rolle schmeißt und sie einige Sekunden brauchen um zu begreifen, dass du sie gerade angelächelt hast. Doch dann lächeln sie zurück und eine Sekunde vergessen sie, dass sie gerade völlig im Stress sind. (Müsst ihr bei Gelegenheit unbedingt ausprobieren :D) Eine Sache, die ich hier einfach in Neuseeland liebe ist, dass die Leute einfach immer mit einem Lächeln durch den Alltag laufen. Und lächeln steckt einfach an :D Ich bin stärker und selbstbewusster geworden. Ich habe gelernt, Dinge alleine zu regeln, Sachen selbst in die Hand zu nehmen und umzusetzen. Ich habe begriffen, nicht an mit selbst zu zweifeln, denn wenn man wirklich will, kann man alles schaffen. 

In manchen Dingen habe ich andere Ansichten bekommen. Und auch hat sich meine Meinung in vielen Punkten geändert. Was hat das mit dem Austauschjahr zu tun? Ziemlich viel, denn man lernt so viele Leute kennen und hört Geschichten über Menschen, die einen zum Nachdenken bringen. Man bekommt einfach selbst einen Eindruck, dass es nicht nur dich mit deiner Meinung gibt, sondern noch viele andere Ansichten. Durch das, das man reist lernt man nicht nur andere Kulturen und Ländern kennen, man lernt auch unglaublich viel über sich selbst. Dinge die ich davor nicht über mich wusste. Wo meine persönlichen Grenzen sind, wie weit man gehen kann, was einen ausmacht, wer ich selber bin,…

Mein Englisch ist um einiges besser geworden. Ich kann nicht sagen, dass ich perfekt spreche und das werde ich nach dem halben Jahr auch bestimmt nicht. Aber ich merke, wie ich nach und nach anfange mehr zu verstehen. Songtexte ergeben langsam Sinn und haben einen tieferen Hintergrund. Auch wenn ich in Deutschland schon dachte ich könnte sie verstehen muss ich sagen ich habe immer nur die Hälfte verstanden. Ich dachte man muss immer alles übersetzten, um etwas richtig verstehen zu können. So im Kopf das Deutsche oben drüber sagen. Aber das braucht man nicht wirklich. Nach 3 Monaten Neuseeland ist es einfach so, dass man es versteht ohne es zu übersetzten. Ich kann nicht erklären, wie das funktioniert, es geht einfach. Auch sprechen klappt immer und immer besser. Ich kann mich erinnern wie ich am Anfang ziemlich schüchtern in Gesprächen war und lange vorher überlegt habe, was ich wirklich sagen will. Und dann noch 10 mal den Satz vorher durchgegangen bin, um sicher zu sein, dass das so stimmt. Jetzt klappt das von allein. Ich rede mehr drauf los. Auch wenn meine Grammatik glaube ich ab und zu kreuz und quer ist. Und manchmal denke ich mir nach einem Satz: Sag mal, bist du jetzt total bescheuert, du weißt doch, dass das nicht so heißt. Aber auch das wird weniger, wobei meine Grammatik an manchen Tagen wirklich im Bett liegen geblieben ist. Aber das ist nicht das, was reden ausmacht. Solang dich dein Gegenüber verseht ist das super :D Grammatikfehler sind Schönheitsfehler. Man braucht auch nicht immer das Wörterbuch nebendran. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht mal eins mit nach Neuseeland genommen. Das steht zu Hause im Schrank. Und ich bin froh drum, das wär einfach überflüssig. Ich habe eine Wörterbuch App auf dem Handy und die hilft da ganz gut aus. Und um ehrlich zu sein braucht man auch die eigentlich nicht. Es geht viel schneller, wenn man sich das gemeinte erklären lässt, als das Handy raus zu holen um es nachzuschlagen. Hat ein bisschen was von Begriffe raten wie bei Activity und das ist manchmal unendlich lustig. 

Auf der einen Seite wird mein Englisch jeden Tag besser, auf der anderen Seite wird mein Deutsch aber auch schlechter. Ich merke, dass ich immer mehr Fehler mache. Groß und Kleinschreibung und Kommasetzung sind zwei Sachen, die ich so gut wie gar nicht mehr kann. Ich merke, wie beim Bloggen immer mehr Wörter rot unterkringelt werden und ich bin mir sicher, dass meine Texte auch immer mehr Grammatik und Rechtschreibfehler enthalten. Ich glaube auch mein Schreibstil hat sich verändert, aber ich glaube das könnt ihr 100-mal besser beurteilen. Auch habe ich angefangen Wörter zu vergessen. Bitte wer braucht den die Wörter Ladekabel, Kühlschrank, Wäschetrockener, Steckdose, Gartenschere,...? Manchmal fällt mir wirklich das deutsche Wort nicht ein und es ist einfach weg :D

Außerdem bin ich relativ spontan geworden. Ob ihr das gut oder schlecht findet, mag mal dahin gestellt sein. Aber ein positiver Nebeneffekt des Spontanseins ist, dass man einfach relaxter durch den Tag geht. Man rennt nicht von Schule zu Sport und zur nächsten Verabredung. Ich regle das alles ziemlich spontan. Es muss nicht alles geplant sein es geht auch ohne. 

Wenn ich in den Spiegel schaue, bin ich immer noch das gleiche Mädchen, was  ich vor 3 Monaten war. Das einzige was ich merke ist, dass meine Haare immer länger werden und mir sagen, dass wirklich schon ein viertel Jahr rumgegangen ist. Und die steigende Anzahl von Post auf meinem Blog. Trotzdem hat sich noch einiges mehr verändert, was man auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt sieht. Ich glaube, wenn ich zurück bin merkt ihr davon noch viel mehr. Denn es ist wirklich schwer über dich selbst zu sagen, wie du dich verändert hast. 

Ich habe zur Halbzeit auch über meinen Kofferinhalt etwas nachgedacht und bin zu einer klaren Meinung gekommen:
  • Die zwei wichtigsten Sachen in meinem Koffer sind meine Sportschuhe und meine Deutschland Flagge mit euren Namen, die mich immer daran erinnern wo mein eigentliches zu Hause ist. 
  • Die zwei unnötigsten Gegenstände in meinem Koffer sind eine schicke weiße Bluse, die ich wahrscheinlich nie anziehen werde, da ich ja eh genug weiße Hemden von der Schuluniform habe und mein Mathe Buch, das ich mit guten Vorsetzten mitgenommen habe, aber letztendlich noch kein einziges mal aufgeschlagen habe. 

P.S. Das ist mein 50. Post und ich wollte ihn zu einem besonderen machen. Ich habe wirklich noch nie so viel über mich selbst nachgedacht, seit ich hier bin. Nie reflektiert, was alles passiert ist, wie unendlich viel ich erlebt habe und irgendwie hat es mich erstaunt, wie viele Wörter ich jetzt über das schreiben konnte (~1500). Mir geht es unglaublich gut und ich Zweifel keinen Moment daran Neuseeland als Land ausgesucht zu haben. Es ist perfekt und je mehr man davon sieht und je mehr man erlebt, desto mehr verliebt man sich in das Land und desto mehr weiß ich, dass es einfach die richtige Entscheidung war. Ich wünsche mir das die nächsten 3 Monate genauso toll werden und das Neuseeland ein Abendteuer wird, was ich nie vergesse :D

Kommentare:

  1. Hi Große,
    das ist ein großartiger Eintrag, aber nicht nur der Eintrag ist großartig auch du. Enjoy the second time. Lots of beautiful whishes.

    AntwortenLöschen
  2. Dankeschön ihr zwei und das werde ich ganz sicher machen :D

    AntwortenLöschen